Reiseberichte


Während der Reise:

14.09.2016

Der letzte Gipfel

 

Von Jan Rosemann

 

Nach über fünf Monaten des Reisens durch vier Länder, innerhalb derer wir mehr als 30 Interviews geführt haben,

endet sie morgen: unsere erste QuerReise. 

Während des letzten halben Jahres ernteten wir thailändischen Kaffee, erforschten burmesische Höhlen, badeten im indischen Ganges und erklommen das nepalesische Himalaya-Gebirge.

 

Letzteres Erlebnis war es wohl, welches uns zum Ende unserer Asientour am weitesten an unsere Grenzen brachte: Ständig attackiert durch an jedem Grashalm lauernde Blutegel, die herkömmliche Blasen an den Versen schnell zur lächerlichen Nebensache avancieren ließen, trugen uns unsere Wanderfüße innerhalb von zwei Tagen auf eine Höhe von 3200 Metern.

Wir durchschritten tiefste Tropenwälder, auf welche wir von späteren Hochebenen ungläubig herabblickten, kletterten über Felsblöcke, auf denen sich im Dauerregen reißende Flüsse gebildet hatten, und hielten erschöpft unser Gleichgewicht, als die Luft immer dünner und der Abhang immer gewaltiger schien.

 

Als wir endlich oben angekommen waren, taumelten wir benommen in unser Campingzelt und gleichsam in eine totale Trekking-Trance - um am nächsten Morgen den Schlaf in den Augen gegen ein begeistertes Funkeln einzutauschen...


11.09.2016

Der schwingende Kreis

 

Von Mia Kruska

 

Kathmandu, Nepal

Die Stadt ist voll von Menschen, der Verkehr ist laut, die Luft verpestet von Abgasen und ich mittendrin.

In einem kleinen Taxi sitzend, halte ich mir notdürftig den Kragen meines T-Shirts vor Mund und Nase, um nicht die giftigen Dämpfe der Straße einzuatmen, die sich durch einen kleinen Luftspalt des Fahrerfensters zwängen. Es ist heiß an diesem Tag und wir erhoffen uns etwas Abkühlung durch den Fahrtwind, wenn auch verdreckt. Die an den Häusern hängenden Gebetsfahnen sind gräulich verfärbt. Der Smog hat sich giftig in ihre, vorher noch so strahlend-bunten, Farben gebrannt. Selbst das leuchtende Licht der Sonne kann die Farben nicht mehr wiederbeleben. Schlaff hängen die in Hoffnung aufgehängten Gebetsfahnen ausgestorben im Wind.

Wurden die Gebete erhört oder hat die verseuchte Luft sie erstickt?

 

Nach einer Dreiviertelstunde Fahrt lasse ich mich erschöpft auf eine Bank nieder. Das Hupen der Autos höre ich nur noch schwach, versteckt hinter einer Häuserwand. Vor mir türmt sich ein Gerüst auf, unter welchem ich eines der bedeutendsten Heiligtümer des Buddhismus vermute: die Bodnath-Stupa. Das Erdbeben, welches das Kathmandu-Tal im Mai 2015 erschütterte, brachte das Heiligtum ins Schwanken und zerstörte es teilweise, doch die fromme Atmosphäre konnte das Beben nicht in Schutt und Asche legen. In meinen Beobachtungen versunken, fange ich an zu schreiben.

 

Die Stupa ist das Zentrum betender Menschen, die scharenweise ihren religiösen Stolz im Uhrzeigersinn umkreisen. Die Gebetsmühlen drehen sich vom Schwung der an ihnen vorbeistreichenden Hände. Am Eingang bewegen sich zwei weitere imposant-behäbige Gebetsmühlen, während neben ihnen ein altes Nonnenmütterchen mit gebeugtem Rücken ihre Hände schwach zum Segen der an ihr vorbeilaufenden Betenden hebt.

Man wagt es nicht sich in die gegengesetzte Richtung zu bewegen, gegen den Strom zu schwimmen.

Alte nepalesische Frauen sitzen, ihre vom Leben müd‘ gewordenen Knochen auf einer Bank ausruhend, mitten im Treiben. Ihre Ohren sind unter der Last des Schmuckes merkwürdig verformt, die ledrige Haut umrahmt die wach funkelnden Augen und ihre knochigen Hände lassen geschickt die 108 Perlen der Mala[1] durch die Finger gleiten. Auch bei Vorübergehenden sehe ich die Mala bedächtig in den Händen liegend, im Takt der Schritte hin und her schwingend. Die Hände bewegen sich mit jeder Perle, die im Kreis der Gebetskette durch die Finger geführt wie, ähnlich wie die Füße, die im Kreis der Stupa laufen.

 

Mein Blick fällt auf ein Touristenpaar. Er fotografiert begeistert, während sie gelangweilt umherschauend eine Plastiktüte gefüllt mit Souvenirs durch die Luft bewegt; erstaunlicherweise im selben Takt der Mala. Alles nimmt unbewusst das Schwingen dieses Ortes auf, jeder ist ein Teil dieser Kraft. Alles ist Bewegung. Alles ist Schwingen. Alles ist Kreis.

 

Da bebt die Bank auf der ich sitze. Eine alte beleibte Nonne hat Platz genommen. An ihrer Gebetsmühle kreist ein Gewicht dem Lauf der Sonne nach. Sie murmelt bedächtig jahrtausendalte Gebete vor sich hin, während neben ihr ein junges Paar geräuschvoll an einem schrill-bunten Eis lutscht und das iPhone mit gestrecktem Arm, debil auf den Bildschirm schauend, in die Luft hält, um diesen besonderen Moment im Leben digital in 50facher Ausführung zu speichern.

Mittlerweile ist es dunkel geworden, auf der anderen Seite der Bank hat sich ein junger, Sonnenbrille tragender Spund niedergelassen. Seine Augen gangsterhaft abgedunkelt, seine Cap lässig über den Mittelfinger schwingend im selben Kreis wie die Gebetsmühlen. Er und die Nonne merken nicht, dass Cap und Mühle vereint im selben Schwung eins werden.

 

Ich kann nicht aufhören zu schreiben. Gefangen im Kreislauf der Beobachtung und dem schnellen Takt der Mine meines Stiftes, der über das Papier kratzt und auf ihm Farbe und Wort zurücklässt. Kleine für die Welt unbedeutende Momente? Meine Gedanken drehen sich um diesen Ort, wie alles andere auch. Alles ist Bewegung. Alles ist Schwingen. Alles ist Kreis.


[1] Eine Gebetskette mit 108 Perlen, die für die Anzahl der Lehren Buddhas stehen. 


21.08.2016

Namaste Nepal!

 

Von Mia Kruska

 

Nachdem wir Rishikesh, die letzte Station unserer Indienreise, verlassen hatten, machten wir uns auf den beschwerlichen Weg über die westliche Grenze Nepals…

 

Im Taxi von Rishikesh nach Haridwar

 

Wir sind gut in der Zeit, eine Stunde braucht man von Rishikesh nach Haridwar. Es ist 23 Uhr und der Zug soll den Bahnhof letzterer Stadt um 00:25 Uhr verlassen. Das Auto umkurvt die zahlreichen Schlaglöcher, bremst abrupt ab und hupt. Jans Gesicht verliert immer mehr an Farbe und für den Fall der Fälle kurbelt er schon mal das Fenster herunter. Nach einer halben Stunde: Stau. Eine Straßensperre blockiert das Weiterkommen. Der Taxifahrer versucht die Autoschlange zu umfahren. Keine Chance. Mittlerweile ist es schon 00:20 Uhr. Wir müssen in ein Tuk Tuk wechseln, mit 400 Rupee viel zu teuer - doch kein Verhandeln möglich. Der Fahrer weiß um unsere Zeitnot und dass wir nur mit einem kleinen Gefährt wie dem seinen die Sperrung umfahren können. Wir steigen ein, er drückt aufs Gaspedal, wir klammern uns an unser Gepäck. Die sonst so unreligiösen QuerReiser fangen an zu beten, dass der Zug Verspätung hat.

Um 00:25 Uhr wir sind am Bahnhof, natürlich hat der Tuk Tuk-Fahrer kein Wechselgeld. Wir lassen ihn mit einem breiten Grinsen und einem satten 500 Rupee-Schein zurück. Laufen, rennen, stolpern; mit 20 kg Gepäck auf den Schultern zum Gleis, welches wir noch nicht einmal kennen. Vom Zug ist nichts zu sehen. Ist er schon weg? „Kommt noch“, teilt uns ein freundlicher Inder mit. Wir sind erleichtert, doch noch bevor wir uns von der Hetzjagd erholen können, fährt auch schon die schnaufende Raupe aus Eisen in den Bahnhof ein. Die Menschen um uns herum werden hektisch, fangen an zu rennen: Der Platz im Zug ist begrenzt und die Massen quetschen sich durch die schmalen Türen zu den Abteilen.

Wir sind verwirrt, wissen nicht wohin. Schauen uns um, entscheiden uns für einen Wagon, stellen fest, es ist der Falsche und stolpern zurück auf das Gleis. Fragen einen Polizisten, der uns zum richtigen Wagon bringt. Quetschen uns mit unseren Rucksäcken durch die schmalen Gänge; Jan bleibt stecken und blockiert für kurze Zeit den ganzen Gang. Weder Vor noch Zurück. Schließlich finden wir unsere Plätze, fallen ermattet auf die Pritschen und sinken in einen unruhigen Schlaf.

 

Im Zug nach Lal Kuan

 

Mein Wecker klingelt, es ist 06:00 Uhr morgens. Der Zug steht. Sind wir schon da? Nach unserer Erfahrung haben die Züge in Indien immer einige Stunden Verspätung. Ich drehe mich wieder um, brauche mehr Schlaf. Und was, wenn wir doch schon da sind? Ich stehe auf, schaue aus dem Fenster und sehe das Ortsschild: Lal Kuan! „Aufwachen Jan, wir sind da, aussteigen!“ Schuhe anziehen, Rucksäcke auf und raus. Mit müde-blinzelnden Augen setzen wir uns auf eine Bank und nehmen uns einen kurzen Moment um aufzuwachen. Eine Kuh trottet langsam an uns vorbei. „Chai, chai, chai…“ tönt es monoton aus den heiseren Kehlen der Männer, die mit großen Teekannen in der Hand an den Wagons vorbeilaufen. Die aufgehende Sonne taucht die Szenerie in ein angenehm-warmes Licht.

 

Taxi nach Banbasa

 

Doch noch sind wir nicht am Ziel. Brauchen ein weiteres Taxi nach Banbasa, von wo aus wir die Grenze überqueren wollen. Gehen mit Sack und Pack zum Taxistand. Wie viel soll eine Fahrt nach Banbasa kosten? 2000 Rupee? Die Stadt sei weit weg und die Straßen schlecht, ein „very reasonable price“ wie uns der Fahrer versichert. Fragen andere Taxifahrer: selber Preis und kein Verhandeln möglich. Die schlauen Füchse haben sich abgesprochen. Wir willigen ein und steigen in einen kleinen verwahrlosten Ford Escort. Die Federung ist so gut wie nicht mehr vorhanden und so hüpfen wir von einem Schlagloch ins andere, während uns der Staub der Straße ins Gesicht weht und das Hupen der Autos in unsere Gehörgänge schallt. Guten Morgen Indien, wir haben dich auch gern!

Pause in einem kleinen Dorf: Ein süßer Masala-Chai wird getrunken, neugierige Bewohner bleiben stehen, es bildet sich eine Menschentraube. Europäer sieht man hier nicht alle Tage! Zum Abschied werden Fotos gemacht, Hände geschüttelt. Wir winken aus dem wieder losrollenden Taxi.

 

Von Banbasa über die Grenze

 

Nach 2 ½ Stunden Fahrt müssen wir in Banbasa in ein Elektro-Tuk Tuk wechseln: Keine Autos an der Grenze erlaubt, außer man will sie einführen. Mit dem Tuk Tuk weiter über Stock und Stein. Stehen bleiben, aussteigen, ins Büro des Ausreiseamtes, wieder raus und weiter geht die Fahrt. Wieder aussteigen: Passkontrolle durchs indische Militär. Weiterfahren, aussteigen, Tuk Tuk-Fahrer bezahlen, ins nepalesische Einreisebüro, Stempel in den Pass, weitergehen, Passkontrolle nepalesisches Militär, weitergehen. Da realisieren wir erst: Wir sind in Nepal! Die Freude ist groß und wir machen das erstes Selfie auf unserer Reise vor einem „Welcome in Nepal“-Schild.

 

Grenze überquert und jetzt?

 

Wir wissen nur, dass wir zum Bardia-Nationalpark wollen - wie man dorthin kommt, wissen wir nicht. Wir fragen uns durch und nehmen ein Sammeltaxi in die nächstgrößere Stadt. Es ist eng, ich sitze zwischen Jan und dem schweißnassen Fahrer, dessen Haut an meiner klebt. Egal, nach fünf Monaten reisen kennen wir es nicht anders. Hygiene und Reisetage vertragen sich nicht.

In der Stadt angekommen: Wechsel in einen Minivan. Statt, wie vorgesehen, mit 14 Personen, wird der Bus mit 6 weiteren besetzt. Es ist wieder eng und nepalesisches Gedudel hämmert aus den Boxen auf unsere Trommelfelle ein, während der Bus den Kühen und Ziegen auf der Straße gekonnt ausweicht. So fühlt sich also Nepal an.

Eine dreistündige Fahrt später werden wir am Eingang des Nationalparks abgesetzt. Wir sind fertig mit den Nerven, nach einer fast schlaflosen Nacht und keiner richtigen Mahlzeit. Unser Proviant besteht auf unserer achtzehnstündigen Fahrt nur aus Wasser, zwei Äpfeln, etwas Weingummi und zwei Schokoriegeln. Nach einem kurzen Moment der Ruhe strömt ein unverhofftes Empfangskomitee aus Kindern auf uns zu.

Unsere müden Augen beginnen zu leuchten...

 


04.08.2016

Varanasi – Heilige Stadt am Ganges

 

Von Mia Kruska

 

Varanasi, auch Stadt Shivas genannt, gilt als eine der heiligsten Städte des Hinduismus. Eine der zahlreichen Legenden besagt, dass einst Shiva mit seiner Frau Parvati während einer langen Reise auf Grund der Hitze Rast einlegen musste. Parvati hatte Durst und bat ihren Mann um Wasser. Diese Bitte konnte Shiva seiner Frau nicht verwehren und so ließ er aus seinem Haar den Fluss Ganges entspringen, an dem sich Parvati unter den sengenden Strahlen der Sonne erquicken konnte. Das junge Paar ließ sich an derselben Stelle, an der es zuerst nur Rast machen wollte, häuslich nieder und an dem Ufer des Flusses entstand die Stadt Varanasi.

 

Überall in der Stadt findet man Bildnisse und Stauen, die an diese Geschichte erinnern sollen. Den Fluss erreicht man, in dem an sich durch ein eng verzweigtes Netz aus Gassen an gut genährten Kühen und kleinen Geschäften vorbeischlängelt, immer mit Rücksicht auf die laut hupenden Motorradfahrer. Wenn man den komplizierten Weg zu den Ghats[1] gefunden hat, muss man nur noch die steilen Stufen zum Wasser herabsteigen, um das bunte Treiben von Wäscherinnen, Kindern und Sadhus zu beobachten. Im Juli strömen tausende in Orange gekleidete Pilger an die Ghats des Ganges, um sich von ihren Sünden reinzuwaschen und etwas Wasser in kleinen Plastikbehältern mit zurück in ihre Heimatstadt zu nehmen. Das Wasser soll heilige Kräfte besitzen, die einen von Krankheit und Schmerz erlösen soll.

 

Es ist der Fluss des Lebens und des Todes, denn nicht weit entfernt von den lebhaften Ghats, an denen sich die Menschen waschen, liegen die Ghats der Einäscherung, an denen täglich über 300 Leichen verbannt werden, um anschließend die Asche dem heiligen Fluss zu übergeben. Die Hindus glauben, durch dieses Ritual den Kreislauf des Lebens zu durchbrechen. Jedoch ist es verboten schwangere Frauen, Babys und Kinder zu verbrennen, sodass ihre Leichen an große Steine gebunden und im Wasser versenkt werden. Es ist nicht selten, dass sich der ein oder andere tote Körper von dem Stein löst und wieder angespült wird. Für Reisende aus weit entfernten Ländern mag dieser Anblick sehr gewöhnungsbedürftig erscheinen, wenn nicht sogar etwas gruselig. Für die in Varanasi lebenden Menschen sind die angespülten Leichen ganz normal und ein Teil ihres Alltags.

Ein Spaziergang an den Ghats und durch die engen Gassen, vorbei an den laut rufenden Pilgern und den feilschenden Händlern, kann an manch einem heißen Tag sehr ermüdend und anstrengend sein. Doch wenn man abends auf die Dächer der Stadt steigt, um dem wilden Treiben zu entfliehen, wird man mit einem wunderbaren Ausblick über den Fluss belohnt. Dreht man sich mit dem Rücken zum Wasser kann man den indischen Jungen dabei zusehen, wie sie geschickt ihre bunten Papierdrachen in den Sonnenuntergang steuern, welcher die Stadt in ein warmes Licht taucht. Mit jedem Sonnenstrahl, der hinter dem Horizont verschwindet, legt sich die Unruhe des Tages im Herzen des Reisenden, bevor er zu Bett geht, um im Schlaf die vielen Eindrücke Varanasis zu verarbeiten.

 



[1] Ghat: Eine zum Gewässer herunterführende Treppe bzw. eine Art flacher Zugang.

 


28.07.2016

Darjeeling - Stadt in den Wolken

 

Von Mia Kruska 

 

Wenn man an Indien denkt, formen sich in Gedanken chaotische Menschenmassen, duftende Currys, halbnackte Marihuana rauchende Sadhus und bunte Saris, die auf der dunklen Haut intensiv unter der indischen Sonne leuchten. Ganz untypisch für dieses Bild Indiens ist hingegen Darjeeling, eine Stadt in der gleichnamigen Region, in der der, ebenfalls gleich betitelte, weltbekannte Tee zuhause ist. Versteckt auf über 2000 Höhenmetern und nur mit dem Jeep zu erreichen, liegt dieser fast mystische Ort zwischen den schwindelerregenden Höhen und steinigen Abgründen des Himalaya-Gebirges, umschlossen von den Grenzen Nepals, Bhutans und Sikkims. Im Gegensatz zu anderen Teilen Indiens geht es hier ruhig und bedächtig zu. Selbst in dieser Hauptstadt des Teeanbaugebietes ist die Bedeutung des Wortes Hektik weitgehend unbekannt. Durch die verschiedenen Einflüsse der Nachbarländer offenbart sich dem Besucher eine Mixtur der unterschiedlichsten Ethnien, die ihre eigenen Sprachen, Sitten, Traditionen und Religionen mitgebracht haben. So kann man dem betenden Muezzin lauschen, während man auf eine Kirche blickt, welche die Briten in der Kolonialzeit erbauten und zurückließen. Auf den steilen und engen Straßen fahren Autos an einem vorbei, die sich mit der Aufschrift „I belong to Jesus/Judas/Ganesha/Krishna“ Schutz vor den Gefahren des Verkehrs und den schlammig steinigen Fahrspuren erhoffen.

 

Normalerweise ist die Stadt von einem beeindruckenden Bergpanorama umschlossen, jedoch verschwinden im Juli die Häuser mitsamt ihren Bewohnern unter einer schweren Wolkendecke. Erst im Winter geben die hartnäckigen Wolken Darjeeling wieder frei. Wenn der Julinebel durch die nächtlichen Straßen zieht und in schmalen Fenstern sich die Schatten der Bewohner regen, trifft das ungemütliche Neonlicht, welches in den Wohnungen scheint, auf die mystischen Schwaden und zerstreut die Ungemütlichkeit in ein diffuses Leuchten.

 


27.06.2016

Die QuerWanderer - querfeldein durch Myanmar

 

Von Mia Kruska

 

Der Morgen nach zwei Tagen Trekking: Unsere Beine und Schulter schmerzen, wir haben Blasen an den Füßen und der erste Sonnenbrand glüht rot in unseren Nacken. Doch die letzten beiden Tage waren diese unangenehmen Nachwirkungen vollkommen wert. Von Kalaw aus, einem beliebten Ausgangspunkt für Trekkingtouren, ging es für uns über das Bauerndorf Partu bis an den Inle Lake, von wo ein Boot uns bis nach Nyaung Shwe brachte.

 

Die erste Etappe war wohl die anstrengendste. Nachdem wir mit dem Nachtbus von Hsipaw in Kalaw angekommen waren, ging es für uns direkt zu einer Trekkingagentur, die unsere großen Reiserucksäcke nach Nyaung Shwe bringen sollte. Wir entschieden uns gegen ein geführtes Gruppentrekking und für das alleinige Wandern mit GPS-Trekkingapp, die uns den Weg weisen sollte.

So steuerten wir, nach einem kleinen Frühstück, mit dem Handy in der Hand eigenständig den ersten Trampelpfad an. Hochmotiviert stapften wir über die Felder, die von bunt gekleideten Bäuerinnen bestellt wurden. Ochsen ächzten unter der Last des Pfluges, den sie durch die rotbraune Erde zogen, während die Bauern ihnen Kommandos zuriefen. Unser Weg führte uns durch Täler und auf Berge, von deren Spitzen uns zu Füßen, je weiter wir voranschritten, eine immer beeindruckendere Landschaft lag. Die grünen und braunen Felder waren geziert von prachtvollen Bäumen, die den Feldarbeitern vor der glühenden Sonne Schatten spendeten.

Nachmittags kamen wir in ein Dorf, in dem uns eine Familie anbot, bei ihnen zu übernachten. Wir freuten uns sehr über diese unverhoffte Gastfreundschaft. Da außerdem der Akkustand unseres Navigators zu neige ging, der für unsere Weiterreise unabdingbar war, fragten wir nach einer Möglichkeit diesen wieder aufzuladen. Fehlanzeige. Das Dorf hatte zwar Strom, aber nicht für uns. Wir versuchten dem Familienoberhaupt, einem beleibten selbstgefälligen Mann, zu erklären, dass unser Handy essentiell für unser Weiterkommen sei. Sein gebrochenes Englisch erschwerte uns die Verständigung und so waren wir gezwungen den Weg ins nächste Dorf anzutreten, in der Hoffnung eine funktionierende Steckdose zu finden. Die Zeit saß uns jedoch im Nacken, denn nicht nur die Sonne stand bedrohlich tief am Himmel, auch der Akkustand unseres Handys neigte sich dem Ende, sodass wir fürchten mussten den Weg ohne GPS-Navigation vor Einbruch der Dunkelheit nicht rechtzeitig ins Dorf finden zu können. Wir folgten einem Pfad, der in die Richtung führte, in der wir das Dorf Partu vermuteten.

Mittlerweile hatten wir mächtig Hunger bekommen, denn das Frühstück in unseren Mägen war längst verdaut. In unserem Erstehilfe-Set fanden wir ein Dextro Energie, welches wir brüderlich teilten. Damit war unsere Notration aufgebraucht. Als es langsam zu dämmern begann, fanden wir uns vor einer mächtigen, in den Himmel ragenden, Felswand wieder. Hier irgendwo vermuteten wir Partu.

Bevor wir uns jedoch für einen der vielen Abzweigungen entscheiden konnten, ertönte eine laute Frauenstimme durchs Tal. Wir schauten uns verdutzt um und sahen eine Gruppe von Feldarbeiterinnen die Bergkuppe emporsteigen. Eine von ihnen hatte auf der anderen Seite des Tals die Bauern entdeckt und winkte ihnen zu. Wir fragten die gut gelaunte Gruppe nach dem Weg und sie gaben uns zu verstehen, dass wir ihnen folgen sollten. Brav trotteten wir ihnen hinterher, während die Strahlen der untergehenden Sonne die Felswand in ein goldenes Licht tauchten. Die mittlerweile aufgezogenen Gewitterwolken erzeugten hinter der Wand aus Stein einen Regenbogen, dessen Farben sich in der Kleidung der Feldarbeiterinnen wiederspiegelten, was dazu führte, dass wir Meter für Meter beim Durchschreiten dieser beeindruckenden, fast schon surrealen Szenerie immer sprachloser wurden. Die Frauen führten uns einen steilen Weg hinauf, welcher in einem Flussbett mündete, das gleichzeitig die Einfahrtstraße nach Partu war. Pünktlich zum Einbruch der Dunkelheit und des Regens hatten wir es also doch noch geschafft, das ersehnte Dorf zu erreichen - welches wir ohne die Hilfe der Frauen sicherlich nicht gefunden hätten. Das Glück war uns hold gewesen und mit dieser Gewissheit ließen wir uns das Abendessen im Dorfzentrum schmecken, bevor wir ermattet von den Strapazen im Gästezimmer der Lokalität einschliefen.

 

Trotz schmerzender Beine waren am darauffolgenden Tag sowohl unsere mentalen Kräfte als auch die Akkus unserer Handys wieder aufgeladen. Mehr oder weniger problemlos meisterten wir unsere letzte Etappe bis zum Inle Lake. Die letzten Meter brachten wir dann sogar noch unerhofft schnell hinter uns: Auf halber Strecke hielt ein großer LKW neben uns an, aus dessen Fenster uns drei braungebrannte Männergesichter entgegen feixten. Ob wir sie ein Stück in ihrem Truck begleiten wollen? Natürlich wollten wir! Zu fünft quetschten wir uns auf den Bock des Wagens, aßen Chips, tauschten uns aus und bestaunten den Blick auf den See, dessen Wasser funkelnd hinter den Bergen hervorkam. Wenige Stunden später saßen Jan und ich in einem Holzboot, das uns an unser Trekkingziel brachte: Die Stadt Nyaung Shwe.

 

Jetzt, nachdem wir ausgeschlafen am Frühstückstisch sitzen, wird uns bewusst, wie besonders die letzten zwei Tage für uns waren: Zu sehen, wie die Menschen in den Bergen weitab der Städte ein einfaches Leben ohne Strom und fließend Wasser führen und sie ihre Äcker noch mit Hilfe von Ochsen pflügen, während in Deutschland riesige hochmoderne Maschinen die Erde bearbeiten.

Die Kinder auf den Feldern begegneten uns immer freudestrahlend und aufgeschlossen, die Erwachsenen hingegen meist mit vorsichtiger Zurückhaltung. Die noch vereinzelten touristischen Trekkinggruppen sind wohl bis jetzt die einzigen Anzeichen der bevorstehenden Modernisierung Myanmars, derer die Bauern scheinbar skeptisch gegenüberstehen. Wir können ihre Skepsis verstehen, in Anbetracht ihrer zwar harten, jedoch auch unabhängigen Lebensweise in den Bergen Burmas.

 


24.06.2016

Die Geschichte der Inge Sargent – Wie aus einer Österreicherin die letzte Shan-Prinzessin wurde

 

Von Mia Kruska

 

Wie mag es wohl sein als junge Europäerin in den 50er Jahren in ein fremdes Land zu kommen? Zu erfahren, dass man einen ganzen Staat an der Seite des Ehemannes regieren soll, ohne weder die Sprache der Einwohner sprechen zu können, noch ihre Sitten und Gepflogenheiten zu kennen? Die Österreicherin Inge Sargent weiß genau wie man sich fühlt. Im Jahre 1953 verschlug es sie in das kleine Städtchen Hsipaw im Norden des Shan-Staats. Erst nachdem sie Sao Kya Seng, den Prinzen dieser Region, in Amerika während ihres Auslandsstudiums geheiratet hatte, erfuhr sie von dessen adeliger Stellung. Aus einer gebürtigen Österreicherin wurde eine Prinzessin, eine Mahadavi. Ihr Ehemann war jedoch kein gewöhnlicher Prinz. Während des Studiums hatte er demokratische Ambitionen für seine Bevölkerung entwickelt und wollte das vorherrschende Feudalsystem gegen ein demokratisches ersetzten. Er stärkte die Eigenständigkeit der Bauern, indem er ihnen eigenes Land zusprach, Gerätschaften für den Ackerbau frei zur Verfügung stellte und eigene Anbauexperimente durchführte, um die Kultivierung ertragreicher Pflanzen zu etablieren. Die Bauern begannen für ihr eigenes Wohl und nicht für das ihrer Feudalherren zu arbeiten. Entsprechend erreichte die Shan-Bevölkerung immer mehr an Wohlstand und Souveränität. Bemerkenswert an Saos Bestrebungen war, dass er sich als vorherrschender Prinz nach und nach selbst „abschaffte“, um sein Volk in die Selbstständigkeit zu führen. Währenddessen setzte sich Inge für verschiedenste soziale Projekte ein, um den Lebensstandard der Bevölkerung zu verbessern.

Nach Bertil Lintner, schwedischer Journalist und Myanmarexperte, war der Lebensstandard der Bauern zu Sao Kya Sengs Zeiten weitaus höher als er heute ist.[1] Doch durch den damals immer größer werdenden Einfluss des Militärs auf die Wirtschaft und Bevölkerung, verschlechterten sich nicht nur für die Bauern die Lebensumstände. Auch die Prinzenfamilie bekam die Willkür und Brutalität des Militärs unter der Führung von General Ne Win zu spüren. 1962 entmachtete das Militär die Regierung gewaltsam mit einem Staatsstreich und nahm alle Oberhäupter der verschiedenen Staaten Burmas[2] fest. Infolge der Junta begann eine blutrote Zeit für die Einwohner des Shan-Staates. Auch Sao Kya Seng wurde vom Militär verschleppt.


Bis heute tappen Inge und ihre Töchter über den Verbleib ihres Vaters und Ehemannes im Dunkeln. Nach dem Verschwinden ihres Mannes wurde die daraufhin unvollständige Prinzenfamilie von General Ne Win unter Hausarrest gestellt. 1964 gelang ihnen jedoch die Flucht nach Österreich, von wo aus sie wenige Jahre später nach Amerika übersiedelten. Sao Kya Seng hatte für einen demokratischen Staat gekämpft, doch scheiterte er an der verheerenden Rigorosität des Militärs, welches sich in den folgenden Jahren zu einer brutalen Diktatur entwickelte. General Ne Win nahm einer Familie nicht nur den Vater, sondern auch die Hoffnungen der Bevölkerung auf einen friedlichen und souveränen Shan-Staat.

Noch heute kann man den Palast des Prinzenpaares in Hsipaw besuchen. Bei einem Spaziergang an dem nahegelegenen Fluss fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt. Während man an den schlichten Bambushütten vorbeigeht und in die Vorgärten dieser späht, kann man alte Männer beim Pflücken von Mangos und die Frauen beim Sieben von Reis beobachten. Diese bäuerliche Romantik muss auch Inge Sargent mit ihrer Familie genossen haben, bevor das Militär das gemeinsame Glück durchkreuzte.Die aktuellen politischen Entwicklungen Myanmars unter dem Einfluss von Aung San Suu Kyi und ihrer Partei NLD (National League for Democracy) sind sicher im Sinne des ehemaligen Shan-Prinzen.


Während unserem Besuch in Hsipaw haben Jan und ich einen Buchhändler kennen gelernt, der das Andenken an das Prinzenpaar weiterhin aufrechterhält. Das war nicht immer leicht, erzählte er uns. Trotz der Demokratisierung des Landes, beansprucht das Militär noch immer eine einflussreiche Position. Mittlerweile kann Mr. Book[3] ein großes Plakat des Prinzen mit seiner österreichischen Frau vor seinen Buchladen aufhängen, ohne um sein Leben fürchten zu müssen. Weiterhin verboten ist jedoch der Spielfilm zur Geschichte des Paares, da dieser einen schlechten Eindruck vom Militär auf die Bevölkerung machen könnte. Das hindert Mr. Book natürlich nicht daran, diesen unter der Ladentheke weiter zu geben. Er und viele andere Menschen, die in der Shan-Region leben, sind weiterhin dem Prinzenpaar und ihren demokratischen Ideen verbunden.


[1] Sargen, Inge: „Twilight over Burma – my life as a Shan Princess“. 1994 University of Hawaii S.13  aus dem Vorwort von Bertil Lintner.

[2] Burma wurde 1989 von der Militärregierung in Myanmar umbenannt.

[3]So wird er in Hsipaw genannt und unter diesen Namen will er auch seine Identität weiterhin schützen.



15.06.2016


Unsere Frage für Myanmar

 

Von Mia Kruska

 

In Myanmar leben viele verschiedene Volksgruppen eng zusammen, die jeweils unterschiedlichen Religionen angehören. Zu nennen sind z.B. die muslimischen Rohingya, die christlichen Karen oder die buddhistischen Bamar. Diese religiöse Diversität führte im Laufe der Geschichte Myanmars immer wieder zu Spannungen, welche sich nicht selten in Gewalt entluden. Das Land stand lange Zeit unter der Kontrolle des Militärs, doch die aktuellen Entwicklungen weisen, nicht zuletzt dank der Nobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, in eine demokratische Zukunft. Doch angesichts der Herausforderung, die Völker in ein allgemein nationales Volksbewusstsein zu lenken, steht die Demokratisierung des Landes auf wackligen Beinen.

 

Nach wie vor herrscht in Myanmar als in der Verfassung festgeschrieben Staatsreligion der Buddhismus, dem der Großteil der Bevölkerung angehört. Dieser äußert sich nicht nur durch zahlreiche Tempel und Pagoden sowie die Ausübung von Meditation, sondern auch durch das Prinzip des Karma. Dahinter steht die Lehre der Reinkarnation, die die Wiedergeburt der Seele in verschiedenen Lebensformen verspricht. Die jeweilige Reinkarnation hängt von dem im letzten Leben gesammelten Karma ab, d.h. von den guten und den schlechten Taten. Mit diesem Prinzip ist Myanmars Hang zum Pagodenbau zu erklären, welcher sich aus privaten Spenden der Bevölkerung finanziert, mit der Hoffnung, im Gegenzug das eigenen Karma zu verbessern. Weitere gängige Wege, die Chancen auf eine verbesserte Wiedergeburt zu erhöhen, sind z.B. Hilfsbedürftigen zur Hand zu gehen, sich vegetarisch zu ernähren und enthaltsam zu leben. Als Mensch wiedergeboren zu werden, zeugt dabei von sehr gutem Karma, hingegen das Leben eines Tieres zu führen nicht.

 

Doch wie können Tiere ihr Karma verbessern? Haben sie ein Bewusstsein für gute und schlechte Taten? Im Gegensatz zum Menschen haben sie nicht die Möglichkeit, den Pagodenbau finanziell zu unterstützen oder Vegetarismus und Enthaltsamkeit zu leben, da sie mehr ihrem Instinkt folgen als der Vernunft. Trotzdem soll es der buddhistischen Lehre nach möglich sein, sich als Tier gutes Karma anzueignen.

Wir wollen wissen, wie -  und werden deshalb der Frage "Wie können Tiere ihr Karma verbessern?" während unserer Reise durch Myanmar nachgehen, um sie euch in unserem fertigen Film beantworten zu können.


07.06.2016

Die Ankunft im Waldkloster

 

Von Jan Rosemann

 

Wenige Tage nach unserer Ankunft in Myanmar durchschritten Mia und ich die Tore des Pa-Auk Waldklosters. Laut Reiseführer sollte man hier kostenfrei wohnen dürfen, einzige Voraussetzung dafür ein grundlegendes Interesse am Buddhismus. Dass diese Anforderungen eine grobe Untertreibung darstellen sollten, erahnten wir, als man uns bei Anmeldung das Regelwerk in die Hand drückte: Männliche und weibliche Yogis, so der Titel für uns „Buddhismus-Anfänger“, lebten in verschiedenen Abteien mit dem Abstand eines 30-minütigen Fußmarsches zueinander; untereinander durften die verschiedenen Geschlechter nur unter Beiseins einer dritten Person miteinander sprechen. Digital kommunizieren sollten wir innerhalb der nächsten Tage ebenfalls nicht können, da Mias Handy sich nicht mit dem Mobilnetz in Myanmar verbinden ließ. Zusätzlich war es nach 12 Uhr mittags verboten zu essen. Selbstredend galt auch das Verlassen des Geländes als Regelverstoß. Stattdessen enthielt der feste Tagesplan nicht weniger als 8 Stunden Meditation am Tag. Im Gegensatz zu unserer Erwartung, den Buddhismus in diesem Kloster durch nähere Betrachtung von außen besser kennenlernen zu können, sollte er uns nun also wie eine Zwangsjacke, in der nur wenig freie Bewegung möglich war, übergestreift werden…

 

 

Tagebuchauszüge eines ambitionierten Yogis

 

Von Mia Kruska

 

28.05.2016

04:00 Uhr morgens in der Meditationshalle, die erste Meditationssitzung des Tages

  • Es ist dunkel draußen, wie in meinem Innern: weit entfernt von der Erleuchtung.
  • Ich falle immer wieder in den Schlaf, bin unglaublich müde. Kann mich nicht konzentrieren.
  • Vor Müdigkeit sackt mein Kopf immer wieder nach vorne und ich drohe umzukippen. Ein verstohlener Blick zu den anderen: Gibt es eine Sitzposition in der man schlafen kann ohne umzukippen?
  • Nach dem Frühstück wird es sicher einfacher.

Nach dem Frühstück

  • Habe einen Text über den Buddhismus gelesen und mit einer Nonne darüber gesprochen. Das Grundprinzip des Buddhismus lautet: „life ist suffering – Leben ist Leiden“. Ein guter Zeitvertreib, um die Augen zu schließen und über diesen Satz nachzudenken. Dann gehen die 1,5 Stunden Meditation bestimmt schnell vorbei.
  • Leben ist Leiden, Leben ist Leiden, Leben ist Leiden…
  • Aufbauend ist das aber nicht, doch wenn ich meine schmerzenden Beine spüre, glaube ich den Buddhisten sofort.

Nach dem Mittagessen, welches täglich um 10 Uhr vormittags eingenommen wird

  • „Wenn die Beine schmerzen, halte es solange aus wie möglich und meditiere weiter bis die Schmerzen unerträglich sind. Ändere dann erst wieder die Sitzposition“. Hat man mir geraten, gilt das auch schon nach drei Minuten?
  • Wer ist der Typ auf den Bildern neben der Buddha-Statue? Der Hauptmönch des Klosters?
  • Warum schaut er so leer? Ach ja, er ist ja erleuchtet und eins mit dem Nichts geworden. Er scheint einfach nicht mehr er selbst zu sein.

Nachmittags

  • Meditieren ist nicht einfach, wenn es heiß ist, das kühle Lüftchen auf sich warten lässt und einem der Schweiß über das Gesicht läuft. Die Verdauungsprobleme der Nonne rechts von mir erschweren die Meditation. Die lauten Tönchen und ihr leichtes Darmparfüm teilt sie ohne Scheu mit ihrem Umfeld.
  • Ob sie dies schneller zur Erleuchtung bringt?
  • Müssen Erleuchtete auch noch furzen?
  • Erkenntnis dieser Meditationssitzung: Nonnen sind wohl auch nur Menschen, nichtsdestotrotz erwartet man derartige Flatulenzen nicht von ihnen.

Abends, vor der Nachtruhe

  • Hunger, Hunger, Hunger. Mein Bauch knurrt. Die letzte Nahrung gab es um 12 Uhr mittags, jetzt ist es 19 Uhr. Noch weitere 11 Stunden ohne Essen stehen meinem Magen bevor.
  • Ich schaff das! Der Hunger ist sicher eine Gewöhnungssache.
  • Habe ich die Sonnenblumenkerne noch in meinem Rucksack oder habe ich sie auf der Fahrt gegessen?

(Wie man uns im Nachhinein erzählte, gilt das Pa-Auk Waldkloster als eines der strengsten Meditationzentren in Myanmar. Ähnlich ausgeprägte Regelkataloge findet man in anderen Klöstern eher selten.)

 


24.05.2016

Unser Zeit in Thailand neigt sich dem Ende. Heute Abend steigen wir in den Nachtbus nach Mae Sot, der Stadt mit dem Grenzübergang in das Land der goldenen Pagoden: Myanmar.

Dieses Land verspricht uns das ein oder andere Abenteuer, doch eines verspricht es nicht: Eine gute Internetverbindung. In den nächsten Wochen müsst ihr euch deshalb wohl in Geduld üben, bevor die nächsten Einträge hier zu finden sein werden. Die letzten sieben Wochen vergingen wie im Fluge und wir sind dankbar, so viele aufgeschlossene Menschen getroffen zu haben, ohne die unsere Aufnahmen nicht möglich gewesen wären.


15.05.2016

Unsere Frage für Thailand

 

Thailand ist nicht nur bekannt für seine außergewöhnliche Küche oder die zahlreichen Tempel, die sich prachtvoll über die Landschaft erstrecken, sondern auch für den Sextourismus. Seine Wurzeln hat diese fragwürdige Art des „Kulturaustausches“ wohl in der Stationierung der US-Soldaten in Zeiten des Vietnamkrieges. Heute fliegen jährlich tausende Männer nach Thailand, um dort bevorzugt in Orten namens Pattaya oder der Insel Phuket ihr preiswertes „Urlaubsglück“ zu finden. Doch nicht nur dort prägen Pärchen europäischer Männern und thailändischer Frauen das Straßenbild, sondern auch in Chiang Mai, Sukhothai und Bangkok. Wenn man als ahnungsloser Tourist Thailand besucht, fällt einem spätestens am zweiten Tag die Affinität europäischer Männer zu thailändischen Frauen auf, die gemeinsam, mal mehr mal weniger verliebt, händchenhaltend den heißen Asphalt der Straßen hinunter flanieren. Für die meisten QuerReiser-Mitglieder mag dies nichts Neues sein, außer vielleicht, dass Prostitution offiziell in Thailand verboten ist, jedoch ein derart lukratives Geschäft darstellt, dass nur selten dagegen vorgegangen wird. Doch fordert dieses Thema der multikulturellen Beziehungen eine differenzierte Betrachtung: Nicht alle Verbindungen zwischen thailändischen Frauen und westlichen Männern sind finanzieller Natur. Jan und ich lernten Peter kennen, der mit seiner Frau Orn bereits seit 15 Jahren eine glückliche Ehe führt. Darüber hinaus habe ich während meines letzten Thailand-Aufenthalts mehrere Wochen bei Frank gewohnt, der seit vielen Jahren mit seiner Frau Noi und zwei Kindern zusammenlebt.

 

Ausgehend von unseren Beobachtungen dieser einseitigen Pärchenkonstellation, drängte sich uns die Frage auf: Warum sieht man keine thailändischen Männer, die mit Frauen westlicher Herkunft in einer Beziehung sind?

Auch wenn die Beziehungen thailändischer Frauen mit westlichen Männern dominieren, sollte man doch davon ausgehen können auch Pärchen in der umgekehrten Variante anzutreffen. Dieses war jedoch nicht der Fall, weshalb wir beschlossen jenem Phänomen nachzugehen. Wir befragten nicht nur thailändische Studenten, sondern auch einen deutschen Auswanderer, die Besucher des Nachtmarktes in Chiang Mai und einen buddhistischen Mönch. In der kommenden Woche wollen wir weitere Interviews in Pattaya und in Bangkok führen.

Leider müsst ihr euch noch etwas gedulden bis ihr die gesammelten Antworten anschauen könnt, da wir sie erst in unserem finalen Film präsentieren werden. Doch eines können wir euch jetzt schon versichern: Diese Frage wurde in Thailand noch nie gestellt und die Reaktionen der bisherigen Befragten machen deutlich, wie schwer die Suche nach einer plausiblen Erklärung ist. Ihr dürft also gespannt sein, was die QuerReiser für euch in Erfahrung bringen!

 


04.05.2016

Orn's Bookshop ist die erste (und mittlerweile auch einzige) Adresse in Chiang Rai, wenn es um den Kauf und Verkauf von Büchern geht. Orns Ehemann Peter, gebürtiger Bayer aus der Nähe von Würzburg, hat uns einen Einblick in den Laden und sein Leben gegeben.


18.04.2016

Hier seht ihr einen kleinen Auszug vom Songkran, dem Neujahrsfest der Thailänder. Das Songkran ist ein Fest der Reinigung - es werden nicht nur Buddhastatuen in den Tempeln mit Wasser begossen, sondern auch jegliche Menschen auf die man im Zeitraum vom 13. bis zum 15. April trifft. Überall im Land werden an diesen Tagen riesige Wasserschlachten abgehalten, wobei der Elefant mit seinem wasserspritzenden Rüssel ein besonderer Spaßfaktor ist. Etwas ruhiger geht es im inneren Familienkreis zu: Die Familienmitglieder kommen zusammen und waschen die Hände der Ältesten, um ihnen besonderen Respekt entgegenzubringen. 


14.04.2016

Unsere ersten Eindrücke in Wort und Bild

Texte von Mia Kruska, Bilder von Jan Rosemann

Thailand lebt vor allem durch seine vielfältige Straßenküche. Wenn wir abends durch die Gassen schlendern, auf der Suche nach Nahrung, umhüllt uns stets der Duft von angebratenem Ingwer, Knoblauch und Zitronengras. Die Auswahl ist groß und der Preis der Speisen gering, ja vielleicht schon beleidigend angesichts des köstlichen Geschmacks.

Gewöhnungsbedürftig ist der Verkehr Bangkoks. Zur ohnehin schon schwülen und heißen Luft gesellen sich die Abgase der dicht aneinander drängenden  Autos und Motorroller. Die mehrspurigen Straßen und ihr Verkehr erschweren die Überquerung. Über dem bunten Treiben fährt die klimatisierte Skytrain ihre Passagiere für nur 40 bis 50 Baht (1 bis 1,50 €) von A nach B. Die Linienbusse sind weniger modern, die Fahrpläne undurchsichtig und die einzige Abkühlung erfahren wir durch den Fahrtwind, der angenehm unsere verschwitzten Gesichter streift. Eine Busfahrt kostet für uns zusammen nur 10 Baht und wir beobachten die Menschen, die zur Universität und Arbeit unterwegs sind.

Besonders mögen wir Orte, an denen sich nur wenige Touristen aufhalten. Hier entdecken wir das alltägliche Thailand.

Der Tante-Emma-Laden

Thailands "7-Eleven" ist an jeder Ecke zu finden. Hier gibt es wirklich alles was man braucht: Hygieneartikel, Getränke, Essen, Knabberein, Waschmittel, Haargummis, Creme gegen Mücken und vieles mehr. In manch einer Straße verlässt man den einen 7-Eleven

und kann direkt hinüber zum nächsten blicken. In diesen Läden ist es so kalt, dass man beim Betreten den Eindruck gewinnen könnte von der Wüste in die Arktis zu kommen. 

Die Menschen in Thailand sind stets respektvoll, höflich, hilfsbereit und sehr freundlich. Ein zufriedenes Lächeln ist einem an jeder Ecke gewiss und macht dieses Land so sympatisch. 

An der Chulalongkorn University of Pharmaceutical Science trafen wir die Studentin Pare, die uns die erste Frage beantwortete und uns den Campus zeigte (zur Frage bald mehr). Leider hatte sie nur kurz für uns Zeit, da sie mitten in ihrer Prüfungsphase steht und nach unserem Treffen zurück an den Schreibtisch musste. 


10.04.2016

Eigentlich wollten wir uns zwei Wochen Zeit mit dem Hochladen des ersten Videos lassen, um uns an das Land, die Leute und vor allem das Klima zu gewöhnen. Doch konnten wir an einem bestimmten Sticker nicht vorbeigehen, ohne ihn für euch zu kommentieren.

 

Bis jetzt stellen wir fest, dass das Leben hier, bedingt durch die hohe Luftfeuchtigkeit und die heißen Temperaturen etwas langsamer vonstattengeht. Der Anspruch, den man an seine Produktivität in Deutschland hat, kann man unter diesen Bedingungen kaum aufrechterhalten. Nichtsdestotrotz sind wir schon fleißig dabei, das Leben in Thailand für euch zu dokumentieren, um euch „die kleinen Dinge, die Großes zeigen“ nach Hause zu bringen.


Vor der Reise:

03.04.2016

Willkommen, liebes QuerReiser-Clubmitglied!

 

Ohne dich wäre der anstehende Dreh unserer Reportage nicht möglich und deshalb sind wir dir für deine Unterstützung sehr dankbar! Auf unserer Reise werden wir unser Bestes geben, um dir die asiatische Kultur in ihrer bunten Varietät näher zu bringen. Wir sind gespannt auf die Menschen und die Erfahrungen die in Thailand, Myanmar, Indien und Nepal auf uns warten.

Aufgrund der komplizierten und nur schwer zu erfüllenden Visabestimmungen ist Bangladesch als Reiseziel leider nicht mehr möglich. Dies bedeutet natürlich nicht, dass es nicht Teil einer zukünftigen Reportage werden kann. Durch das Crowdfunding konnten wir zwar unser Filmequipment erfolgreich finanzieren, jedoch nicht den geplanten Aufenthalt in Bhutan.

Das schadet aber nicht unserem Enthusiasmus, den wir mit Blick auf unsere bevorstehende Reise verspüren.

Am 6. April geht unser Flieger nach Bangkok. In den letzten Tagen wurden das Equipment bestellt, Hausarbeiten geschrieben und abgegeben, aus unseren WG-Zimmern ausgezogen, Visaanträge gestellt und andere Reiseformalitäten erledigt. Endlich haben wir Zeit, um euch auf den aktuellen Stand zu bringen. In den verbleibenden Tagen in Deutschland testen wir fleißig die von euch finanzierte Filmausrüstung und packen unsere Rucksäcke Probe.

Wir können den Beginn unseres Abenteuers kaum abwarten und freuen uns unsere Erlebnisse bald hier im Exklusivbereich mit euch teilen zu können.  

 

 

Eure QuerReiser